Ausstellungen ,

Museum Global – Mikrogeschichten einer exzentrischen Moderne

Kunstsammlung Nordrhein-Westfalen, Düsseldorf, bis 10.03.2019

von Sabine Maria Schmidt

„Mikrogeschichten“ – das klingt zunächst bescheiden. Doch mittlerweile hat sich das Arbeiten in kleinen, aber detailreichen Einheiten als geschichtswissenschaftliche Forschungsrichtung für verschiedenste Disziplinen bewährt. Florian Illies Bestseller „1913. Der Sommer eines Jahrhunderts“ gibt ein hippes Beispiel dafür ab; ebenso wie die stichprobenartig gewählten Reiseziele der Ausstellung zur exzentrischen Moderne. Geforscht wird rund um neu gesetzte Stichdaten, Orte und Protagonisten, vor allem aber um einzelne Kunstwerke als Initialzündungen. Schließlich gilt für die detaillierte Betrachtung eines zur Anschauung gebrachten Objektes noch immer die Kunstwissenschaft als Königsdisziplin.

Mit einem inspirierten Konzept und einem sorgfältig durchgearbeiteten Ausstellungsparcours endet das über mehrere Jahre angelegte Großprojekt „Museum Global“ in der Kunstsammlung NRW. Äußerst großzügig war die finanzielle Unterstützung der Kulturstiftung des Bundes für die insgesamt vier auserwählten Ausstellungsinstitute ausgefallen, darunter die Staatlichen Museen zu Berlin, das MMK Frankfurt und das Lenbachhaus München. Es galt, angesichts einer schon länger schwelenden, grundlegenden Revision der Moderne und postkolonialer Debatten, spezifische Ansätze für einen Perspektivwechsel zur eigenen Sammlungsgeschichte zu entwickeln. (Vgl. KUNSTFORUM Themenband Moderne, reloaded, Bd. 252).

9.000 km östlich von Dresden entsteht 1912 in Tokio das Bild einer japanischen Liegenden als Halbakt. Es ist zugleich die Abschlussarbeit des damaligen Akademiestudenten Yorozu Tetsugorō (1885 – 1927), der an der neu eingerichteten Fakultät für „westliche Malerei“ studiert hatte. Kaum vorstellbar, dass erst ab 1907 Werke in der bis dato in Japan nicht praktizierten Technik der Ölmalerei entstanden. Modell für das Bild stand die Frau Yorozus. Wie stark die Darstellung seinerzeit…

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