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Ausstellungen: London · von Edgar Schmitz · S. 364 - 365
Ausstellungen: London , 2009

Edgar Schmitz
Raqs Media Collective: Escapement

Frith Street Gallery, London, 8.7. – 30.9.2009

Die Frage mit Uhren ist immer die, was sie eigentlich messen und zu welchem Zweck. Und wenn auf den Zifferblättern nicht Stunden eingetragen sind, sondern Befindlichkeiten wie Ermüdung, Panik und Schuld oder auch Gleichgültigkeit, Nostalgie und Pflicht, ergeben sich Rhythmen, die keine sind, weil ihre Einheiten sich nicht mehr vereinheitlichen lassen.

Letztlich geht es um Messbarkeiten – darum was hier abläuft und was im Vorführen dieses Ablaufs angeblich angezeigt werden kann: Die Spannung zwischen Gleichgültigkeit, Überwältigung und Erkenntnis, oder die Gleichmäßigkeit, mit der sie hier immer wieder durchlaufen werden. Die Uhren und ihre Zeiten sind jeweils anderen Städten zugeordnet und imitieren so den global ordnenden Zugriff, mit dem die Aufreihung von Uhren unterschiedlicher Zeitzonen immer wieder auf die Kennbarkeit und damit Verfügbarkeit von Orten verweisen, die in anderen Zeiten und damit erstmal außer Reichweite zu liegen scheinen. Wie gegeneinander verschoben die Zeitzonen auch sein mögen, ihre Nebeneinaderstellung synchronisiert sie, die Minuten laufen gleich ab und die Differenzen werden kalkulierbar. Es lässt sich von dieser Vereinheitlichung aus mit ihnen umgehen.

Die Uhren, die Raqs Media Collective in der Frith Street Gallery als Umlauf installieren, spitzen das auf den Punkt zu, an dem Angleichung oder tiefe Differenz gegeneinander getrieben werden, ohne dass sich deren Spannungen auflösen ließen. Vermessene Zeit vereinheitlicht nicht durch Annäherung, sondern durch tiefere, strukturelle Homogenisierung, und darin liegt ihre Leistung wie auch ihr problematischer Status. Die Hemmung des Uhrwerks, nach der die Ausstellung benannt ist, übersetzt: kontinuierliche Abläufe in diskrete…


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