Ausstellungen: Düsseldorf · von Susanne Boecker · S. 300
Ausstellungen: Düsseldorf , 2003

SUSANNE BOECKER

Rodney Graham

K21 Kunstsammlung Nordrhein-Westfalen, Düsseldorf, 15.2. – 25.5.2003

Ein wenig verloren steht die Postkutsche in der hohen Halle des zum Museum umgebauten Düsseldorfer Ständehauses. Ein Vehikel aus einer anderen Zeit, als Briefe noch per 1 PS und nicht per UPS zugestellt wurden. Das Gefährt ist kein Original, sondern eine im Auftrag von Rodney Graham realisierte Rekonstruktion mit der erweiterten Funktion einer „Camera Obscura Mobile“. Zwei Personen können darin Platz nehmen und die gemächlich vorüberziehende Aussicht auf einer runden Projektionsfläche betrachten – auf den Kopf gestellt, natürlich. Die gewollte Verlangsamung und Verkomplizierung, der bewusste Rückschritt im rasant davon galoppierenden transporttechnischen und medialen Fortschritt, das Eintauchen in die kinematographische Welt des vorindustriellen Zeitalters – diese mobile Camera Obscura symbolisiert die Strategien eines Künstlers, der es nicht darauf anlegt, mit neuen Werken die Welt der Kunst zu revolutionieren, sondern es vorzieht, im tiefen Becken der Kultur nach erhellenden Augenblicken der Wahrheit und Erkenntnis zu fischen. Dazu gehört die mit der Postkutsche geforderte Geste des „Sich-Hinein-Begebens“, die Graham mit performativer Fantasie immer wieder aufs Neue praktiziert. Und es gehört dazu die „verkehrte“ Wahrnehmung der Welt, in der Oben und Unten, Vorne und Hinten, Anfang und Ende aus ihren fixen Verankerungen gerissen werden.

Die Dimensionen des Graham’schen Universums sind im Wechselausstellungsbereich im Untergeschoss von K21 mit kunstvoller Perfektion ausgebreitet. Auf den ersten Blick eine mit cooler Raffinesse inszenierte Schau von präziser Klarheit – in Wirklichkeit jedoch eine Ansammlung ebenso ernsthafter wie komischer, verzweifelter, absurder und hingebungsvoller Versuche, dem möglichen Erkenntnisgewinn unserer visuellen und literarischen Kultur auf…

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