Ausstellungen: London , 2010

Edgar Schmitz

Sophie Calle: Talking to Strangers

»Spielformen des Intimen«

Whitechapel Gallery, London, 10.10.2009 – 3.1.2010

Immer wieder orchestriert sie die Begegnung mit dem anderen als einem unmöglichen Gegenüber: Anatoli, mit dem sie in der transsibirischen Eisenbahn ein Schlafabteil, verschiedene Liederfragmente und Spiele teilt, aber sonst eigentlich nichts, was noch als Sprache verstanden werden könnte; die verschiedenen Männer, denen sie nachstellt und natürlich der, dem sie nach Venedig folgte, ohne dass ihm davon etwas schwante, der zu ihrem Objekt wurde und dem sie aber nur zweimal wirklich begegnete: auf der Galerieeröffnung in Paris und dann in einer Gasse in Venedig, als er sie enttarnt. Mit der zweiten Begegnung ist die Aktion am Ende.

Calles Arbeit greift von der Kunst aus auf Teile von Welt zu, die eigentlich nicht automatisch zu ihr, der Kunst, gehören. Aber gleichzeitig ist Calle auch selbst Teil einer sowohl selbst- als auch fremdbestimmten Choreografie, die sich vom Kunstgehalt als Ausgangspunkt her entwickelt. So gewinnt sie dem Austausch mit Paul Auster Realität ab, obwohl hier doch eigentlich alles in der Kunst häte aufgehen sollen: Sie verwandelt ihr Leben in eine Reihe animierter Artefakte, er macht eine im Buch echte Figur daraus. Sie will im Gegenzug ihr Leben für ein Jahr von seinem Skript bestimmen lassen, bittet ihn um Direktiven, er aber überantwortet ihr die Aufgabe, einen Teil seiner Stadt besser lebbar zu machen. Anstatt ihr Leben der Kunst zu überantworten, muss sie eine Realität überformen, die sich wiederum nie restlos in Kunst auflösen lässt. Ihr dekoriertes und komfortabel…

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von Edgar Schmitz

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