Ausstellungen: Braunschweig , 2008

Annelie Pohlen

Tue Greenfort

»Linear Deflection«

Kunstverein Braunschweig, 30.8.08 – 16.11.08

In der ihm eigenen humorigen Intelligenz appelliert der Volksmund an all jene, die sich allzu anmaßend auf fremdes Territorium vorwagen. Sicher, „Schuster, bleib bei deinen Leisten“ ist nicht zuvörderst auf die bildende Kunst gemünzt, dürfte aber trefflich passen für mancherlei von Künstlern und Kunstvermittlern betriebene Weltverbesserungspraktiken, die weder der Kunst noch der Gesellschaft zum Vorteil gereichen. Der Wettstreit zwischen Künstlern und Wissenschaftlern um die nachhaltigere Erkenntnis- und Gestaltungskompetenz ist nicht neu. Der in den 70ern erlahmende Fortschrittsglaube hat die Kunst regelrecht beflügelt und die um ihre öffentliche Wahrnehmung besorgten Wissenschaften auf die Suche nach einem künstlerisch gestylten Outfit für ihre trockenen Kommunikationscodes getrieben.

Der 1973 geborene, in Berlin lebende Däne Tue Greenfort hat in den vergangenen Jahren mit seinem inspirierenden Spagat zwischen den Territorien von Wissenschaft, Politik und Kunst vornehmlich in Sachen Umwelt verdientermaßen zu allererst als Künstler Aufmerksamkeit erlangt. Wie sehr er seine ‚Künstler-/Schusterleisten’ über die Jahre verfeinert hat, dafür bietet seine Ausstellung im Kunstverein Braunschweig nun vorzügliche Belege. Sicher kommt die edle Aura von Haus Salve Hospes, dem Sitz des Kunstvereins, seiner spezifischen Strategie im Wettstreit auf ebenso vergnügliche wie tiefsinnige Weise zugute. Oder präziser ausgedrückt, er versteht es, mittels dieser ‚Leiste’ die sinnliche und intellektuelle Ausstrahlung seiner Medien übergreifenden Verschmelzung von kritischer Dokumentation, nostalgisch verkleidetem Spiel mit Musealisierungstraditionen in Kultur, Wissenschaft und Alltag, kunstimmanentem Recycling der Hinterlassenschaften von Minimalismus und Konzeptkunst nachhaltig zu steigern.

Von der jenseits der lästigen Verkehrsader gelegenen Häuserfront über den repräsentativen Eingang und das Treppenhaus…

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von Annelie Pohlen

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