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Ausstellungen: Wien · von Ralf Hanselle · S. 403 - 405
Ausstellungen: Wien , 2008

Ralf Hanselle
Western Motel. Edward Hopper und die zeitgenössische Kunst

»Das Leben, ein Filmstill«
Kunsthalle Wien. 3.10.2008 – 15.2.2009

Der amerikanische Raum, er ist kaum mehr als eine Kulisse. Leergeräumt ist er, wie ein potemkinsches Dorf. Der österreichische Künstler und Regisseur Gustav Deutsch hat ihn nachgebaut. Der amerikanische Raum, er ist gut fünfmal zwei Meter groß, hat im Hintergrund eine breite Fensterfront und verfügt nur über spärliche Möbel. Der amerikanische Raum, er folgt streng den Vorlagen Edward Hoppers. Der hat zwar zu Lebzeiten stets betont, es ginge ihm in seinen Bildern um etwas Universelles, in der Geschichte der Kunst aber bleibt Hopper „der Amerikaner“. Seine Gemälde, Zeichnungen und Radierungen atmen den unverwechselbaren „American Spirit“. Sie zeigen Orte voll Melancholie und Geschichtslosigkeit, Orte des Wartens und des Vorübergehens. Einer dieser Orte ist das „Western Motel“. So lautet der Titel eines Hopper-Gemäldes aus dem Jahr 1957. Just dieses amerikanische Motel hat Gustav Deutsch in einer raumgreifenden Installation in die dreidimensionale Wirklichkeit überführt. Streng nach Vorlage hat er aus einem virtuellen Bildraum eine real existierende Bühne gezimmert.

Was fehlt ist die Frau. In Hoppers „Western Motel“ nimmt sie eine zentrale Stellung ein. Mit gepackten Koffern sitzt sie auf einem abgezogenen Bett, lässt die Beine baumeln und wartet. Gustav Deutsch hat sie weggelassen. Ihn interessieren nicht die Menschen auf den Bildern Edward Hoppers, ihn interessieren die Räume. Zehn davon hat er als Miniaturmodel nachgebaut; einer existiert bereits in voller Größe. Diese Bühnen sind zur Aneignung gedacht. Denn wer hätte nicht schon einmal davon geträumt – zusammen mit…



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