Band 293
Parasitäre Paradoxa
Kunst zwischen Anpassung und Widerstand
Skandale und Protestformen sind längst als marktkonforme Strategien im Spektakel des kapitalistischen Kunstbetriebs aufgegangen und damit wirkungslos geworden. Welche politische Wirksamkeit kann Kunst also noch haben? Welche Form des ...
Skandale und Protestformen sind längst als marktkonforme Strategien im Spektakel des kapitalistischen Kunstbetriebs aufgegangen und damit wirkungslos geworden. Welche politische Wirksamkeit kann Kunst also noch haben? Welche Form des Widerstands kann noch eine Störung – und daraus hervorgehend eine Änderung des Systems – darstellen? Der vorliegende KUNSTFORUM Band beschäftigt sich mit künstlerischen Produktionen, die parasitär vorgehen, d.h. dass sie manipulativ zwischen Anpassung und Störung schwingen, um zu irritieren und damit neue Arten des Sehens und Agierens zu entwickeln. Anschließend an die Definition des französischen Philosophen Michel Serres, der den Parasiten als jemanden beschreibt, der/die transformierend wirkt, indem er/sie festgelegte Ordnungen durcheinanderbringt, untersuchen die Autor*innen des Bandes künstlerische Strategien, die Machtpositionen in Frage stellen oder sich aneignen, um über eigene Aktionen auf gesellschafts-politische und wirtschaftliche Missstände hinzuweisen. So können Künstler wie Juan Carlos Romero durch die Taktik der Camouflage unbemerkt innerhalb des Systems agieren, das Kollektiv UBERMORGEN über die Manipulation von legalen Suchfunktionen illegal in die Informationskanäle von Amazon eindringen oder Künstler*innen wie Yayoi Kusama und Takashi Murakami ihre künstlerische Sprache über die Luxusindustrie verbreiten. Aber das Parasitäre kann sich auch in Architekturen zeigen, wenn Künstler*innen mit temporären Behausungen wie Jakob Wirth mit dem Penthaus à la Parasit in einer „Aneignung von oben“ die Dächer besetzt, um Wohnraum zurückzuerobern.

Alle Beiträge aus dieser Ausgabe
Titelbeiträge


Parasitäre Paradoxa
Kunst zwischen Anpassung und Widerstand

Camouflagen und Flaggen
Parasitäre Taktiken des Widerstands
in Zeiten des Terrors

Von Farnen und Lianen
Parasitäre Pflanzen als spekulative Ausgangspunkte

Happy Dystopia
Klarheit als Akt des Widerstands: ein Manifest

„Em torno do vírus de grupo“
Das NBP-Projekt von Ricardo Basbaum im Kontext kollektiver parasitärer Praktiken
![João Henrique Kurtz, Juliana Curi, Martina Sönksen und Lívia Cheibub (Producers) & Emerson Pontes / Uýra Sodoma (Co- Producer): Uýra – the Rising Forest [Film Still], Director: Juliana Curi 2022](https://d3speutakpkuqn.cloudfront.net/app/uploads/2023/12/07152016/7364625_image_1_155.jpg)
… a different story to tell …
Parasitismen als queere*, künstlerische Praktiken?

Gefährlich und mit kleinen Schritten
Parasiten beim 36. Youth Salon in Zagreb


































![Delphine Reist, Houle [Seegang], 2023, Drehstühle, Tanzboden, Tusche, Installationsansicht Delphine Reist. ÖL [oil, olio, huile] im Museum Tinguely, Basel, 2023, Courtesy: Delphine Reist, Galerie Lange + Pult, Galerie Laurent Godin, © Delphine Reist Foto: 2023 Museum Tinguely, Basel; Bettina Matthiessen](https://d3speutakpkuqn.cloudfront.net/app/uploads/2023/12/07153032/7364625_image_0_277.jpg)











