Ausstellungen: Karlsruhe , 2016

Aby Warburg. Mnemosyne Bilderatlas

Rekonstruktion – Kommentar –  Aktualisierung

ZKM | Zentrum für Kunst und Medien 01.09. – 13.11.2016
von Johannes Meinhardt

Aby Warburg arbeitete von 1924 bis zu seinem Tod 1929 an den Tafeln seines Mnemosyne-Bilderatlas, seines letzten, zugleich privatesten und theoretisch anspruchvollsten Werkes. Dieser Atlas der kulturellen Erinnerung, des Nachlebens und der Erinnerung der Bilder (und mit Erinnerung ist dabei nicht das willkürliche Gedächtnis gemeint, sondern das blitzartig aufscheinende Erinnern des anscheinend Vergessenen, des Verdrängten oder Verleugneten, in der gegenwärtigen Wahrnehmung), umfasste in seiner letzten Fassung 63 Tafeln mit fast 1000 Abbildungen – überwiegend Fotografien von Gemälden und Plastiken, aber auch von illuminierten Handschriften, Tapisserien, Möbeln (etwa von Truhen oder dem Heilige Stuhl), dazu Spielkarten, Kunstgewerbe, Zeitungsillustrationen und Werbeprospekte. Dieser Bilderatlas wurde nach Warburgs Tod zerlegt, spätestens 1933, als die Bibliothek Warburg nach London gerettet wurde. Die Geschichte der Rekonstruktion der ‚Mnemosyne‘ begann mit den Recherchen von Dorothée Bauerle Ende der 1970er Jahre; sie wurden fortgeführt Anfang der 1990er Jahre von der Wiener Gruppe ‚Daedalus‘, die 1993 eine erste Publikation veröffentlichte und eine Wanderaussstellung auf die Reise schickte; ab 1912 arbeitete die Hamburger ‚Forschungsgruppe Memnosyne‘ an der Rekonstruktion und der Kommentierung des Bilderatlas: die 13 Ausgaben der Heftreihe ‚Baustelle‘ enthalten Abbildungen aller 63 Tafeln und umfangreiche Kommentare zu ihnen. In den bisherigen Publikationen zum Bilderatlas waren die Reproduktionen so klein, das dessen komplexes Wirken der Verknüpfungen, Quer-, Längs- und Lateralverbindungen nicht sichtbar war; die Ausstellung macht die Arbeit der Mnemosyne an und in diesen Tafeln überhaupt erst zugänglich.

Aby Warburg war ausgegangen von den…


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