Ausstellungen: Erlangen · von Martin Blättner · S. 328
Ausstellungen: Erlangen , 2016

Dicker als Wasser?

Konzepte des Familiären in der zeitgenössischen Kunst

Kunstpalais Erlangen 24.09. – 27.11.2016
von Martin Blättner

Die intakte Familie – so wie wir sie von vorgeprägten Klischee-Bildern kennen – ist sie noch Wirklichkeit? Die Ausstellung setzt mit dem Titel „Dicker als Wasser?“ jedenfalls ein großes Fragezeichen: Unter den neuen Lebensformen und globalisierten Bedingungen ist offenbar einiges in Bewegung geraten: Kommunikations- Probleme, Generations- und Werte-Konflikte, Patchwork-Familien, Leihmutterschaft und neue Technologien – insgesamt birgt das reichlich (Zünd-)Stoff für die teilnehmenden Künstler, sich zu diesem Thema einzubringen.

Es ist zu klären, ob sich die Ausstellung mit diesem Unterfangen nicht letztlich etwas übernimmt und zu viel aufbürdet. Die „Konzepte des Familiären in der zeitgenössischen Kunst“ sind jedenfalls weit gefasst und entspringen nicht immer der Wirklichkeit. Der erste Eindruck im Eingangsbereich ist zunächst sehr drastisch. Auf drei Bildschirmen wird der Betrachter mit der Video-Performance“ Me and My Mother“ von Ragnar Kjartansson konfrontiert. In regelmäßigen Abständen spuckt die Mutter ihren Sohn – der still neben ihr steht – mit vollem Einsatz an. Auch wenn der kunstsinnige Besucher genau weiß, dass es sich um ein Performance-Ritual im Einvernehmen handelt und sich die Situation jedes Mal entspannt, so ist das doch zunächst eher ein Schock. Doch schon im nächsten Raum wartet Simon Fujiwara mit einem Tabuthema auf. Der in England lebende Sohn eines japanischen Architekten hat ein „Museum of Incest“ eingerichtet, eine pseudo-wissenschaftliche Installation mit Fundstücken aller Art, die belegen sollen, dass in frühen Zeiten inzestuöse Praktiken weit verbreitet gewesen sein sollen. Auch wenn der perfekt in Englisch gehaltene Vortrag des Künstlers vom Band Überzeugungsarbeit leistet, so löst sich dieser Kunst-Fake doch…

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