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Relektüren · von Rainer Metzger · S. 328 - 329
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Folge 51

Rainer Metzger

Turns gehören ausgerufen. Schließlich vollzieht sich in derlei Wendungen ein Wechsel des Paradigmas. Dieses Wort, in vieler Munde, wurde populär gemacht in Thomas S. Kuhns „Die Struktur wissenschaftlicher Revolutionen“. Das Buch erschien 1962, dem Schlüsseljahr für den Beginn der Postmoderne, der mit dem Ende geschichtsphilosophischer Überzeugungen gleichzusetzen ist. Auch Kuhns Paradigma steht für ein solches Ende. Erkenntnis, so legt Kuhn dar, ist nicht Ergebnis kumulierender Bestrebungen, ist nicht Produkt eines Wissensfortschritts, der auf Vorhergehendem aufbaute. Erkenntnis folgt vielmehr einem Paradigmenwechsel, der plötzlich auftaucht, wie ein Blitz, und der, wie Kuhn es nennt, einem Erweckungserlebnis ähnelt. Was sich als Paradigma etabliert, funktioniert nach dem Prinzip der Mode. Was sich durchsetzt, erreicht sein Ziel aufgrund von Hegemonie. Daran gilt es entsprechend lauthals zu arbeiten.

Mit folgenden Worten setzt nun Karl Schlögel auf sein neues Paradigma, auf dass es einen Turn hervorrufe: „Vieles spricht dafür, daß jenes Momentum in dem das viele zusammenkommt, das alles auf das neue Gleis eines Spatial Turn setzt, herangereift ist. Dazu gehören die erschütternde und durchschlagende Erfahrung von den radikalen Veränderungen von Zeit und Raum im 20. Jahrhundert, die Wucht des Globalisierungsprozesses und die beschleunigte Durchsetzung der neuen Technologien, die damit einhergehende Produktion von Gleichzeitigkeit der Ungleichzeitigkeit auf engstem Raum und, nicht zu vergessen, die Raumrevolutionen der letzten beiden Jahrzehnte, 1989 und 2001“ (S. 62). Das Ganze steht unter der Überschrift „Spatial Turn, endlich“, und was Schlögel an Argumenten beibringt, nicht zuletzt benannt mit den – bezeichnenderweise zeitlich verorteten – Jahreszahlen 1989 und 2001 ist nicht…

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