Titel: Ostdeutschland · von Oliver Zybok · S. 174
Titel: Ostdeutschland ,

Frank Nitsche

Die erotische Komponente

Ein Gespräch mit Oliver Zybok

Frank Nitsche gehört weder einer regionalen Schule an, noch lässt er sich im Kontext einer nationalen oder internationalen Bewegung verorten, auch wenn seine, auf geometrische Grundprinzipien basierende Bildauffassung und sein Studienaufenthalt in Dresden, einer Stadt mit einer gewissen konstruktivistisch geprägten Tradition, diese Annahme vermuten lässt. Er begann Ende der 1980er Jahre an der dortigen Hochschule für bildende Künste zu studieren und stand seit Beginn der 90er Jahre in engem, freundschaftlichen Kontakt zum kürzlich verstorbenen Künstler Eberhard Havekost und zu Thomas Scheibitz. Auch wenn seine Malerei nicht den Eindruck vermittelt, so ist sie stark körperbezogen und erhält ihre Impulse aus dem urbanen Leben einer Großstadt sowie aus Motiven massenmedialer Bilder. Sie wird nicht durch computergenerierte Bildwelten oder digitale Finessen gestützt. Nitsches Gemälde sind detailliert ausgearbeitete Kompositionen, deren Ausführungen prozesshaft in verschiedenen Arbeitsschritten und farblich sehr nuanciert erfolgen.

Oliver Zybok: Ich habe zu Beginn eine ganz allgemeine Frage: Wie betrachtest Du das Verhältnis von Realistik und Abstraktion?

Frank Nitsche: Dazu kann und möchte ich gar nicht viel sagen. Meiner Ansicht nach sind derartige Begriffe für die Malerei nicht wichtig. Alles Bildhafte leitet sich aus der individuellen Wahrnehmung ab und speist sich somit aus einer Realität. Mich erinnert das Begriffspaar an die Formalismusdebatte in der DDR. Diese Diskussionen gab es Gott sei Dank in den 1990er-Jahren, während meiner Studienzeit, nicht mehr.

Es fällt auf, dass Du in Deiner Malerei seit mehr als zwanzig Jahren konsequent einen Weg beschreitest, man könnte sagen, dass Du einem Stil…

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