Gespräche mit Künstlern · von Larissa Kikol · S. 204
Gespräche mit Künstlern ,

André Butzer

Malerei ist ein Friedhof, also eine sehr zukünftige Angelegenheit

Ein Interview von Larissa Kikol

Unter dem Stilbegriff „Science-Fiction-Expressionismus“ begann André Butzers Karriere als deutscher Maler, der sich genauso an der nationalsozialistischen Geschichte wie an Walt Disney und Micky Mouse abarbeitete. 1973 in Stuttgart geboren, studierte er zwei Semester an der Hochschule für Bildende Künste Hamburg, bis zu seinem Rauswurf. Als Gründungsmitglied arbeitete er danach einige Jahre mit dem Kollektiv „Akademie Isotrop“ zusammen. Heute wird er unter anderem von den Galerien Max Hetzler, Berlin | Paris | London und Metro Pictures, New York vertreten. Letztere zeigte seine neuesten Arbeiten diesen Sommer in einer weiteren Einzelausstellung.

Mit „Science-Fiction-Expressionismus“ meinte Butzer eine malerische Praxis und Bildwelt, die Vergangenheit und Zukunft vermengt und so durch eine weltliche Hölle in den Farbhimmel führt. Seine Bildwesen, die sich zwischen Chips und Co-la-Flaschen bewegen, zeugen von Ähnlichkeiten zu Zeichentrickfiguren, sind jedoch in expressiver Manier gemalt. Besonders zwei seiner Bildfiguren nehmen einen wichtigen Platz ein: Der „Schandemensch“ und der „Friedens-Siemens“. Der Schandemensch besitzt statt eines Kopfs einen Totenschädel mit wurstigen Tentakeln an den Wangen und einen Knochenstumpf als Bein. Er entwickelte sich aus Edvard Munchs Der Schrei sowie aus dem Totenkopf der SS. Der Friedens-Siemens ist hingegen kein Monster, sondern ein guter Freund, der durch seine übergroßen Comicaugen auf den Ort der Träume deutet. Ab 2003 malte Butzer abstrakter, löste seine Figuren immer weiter auf und nannte diesen Bildprozess schließlich „Neo-Cézannismus“. Auf halber Strecke gab er einmal zu bedenken, dass die Bilder von Donald Duck wohl so aussähen, würde dieser…

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