Titel: Ostdeutschland · von Petra Lange-Berndt · S. 128
Titel: Ostdeutschland ,

Nature Is Life – Save It

Kollektivität und Ökologie in der DDR

von Petra Lange-Berndt

Eine Aufnahme der Apollo-8-Mission von 1968 zeigt den Planeten Erde als blau-weiß leuchtende Kugel. Dieses ikonische Bild steht nicht erst nach der Proklamation der These eines Anthropozäns für einen Bewusstseinswandel, für eine sich ausdifferenzierende globale Perspektive sowie intensiver werdende ökologische Debatten. Ungezählte Male reproduzierten Massenmedien in diesem Kontext das Foto eines Schuhabdrucks von Neil Armstrong auf der Mondoberfläche, dem US-amerikanischen Astronauten, der im Jahr 1969 als erster Mensch den Trabanten betreten hatte. Diese Inbesitznahme wurde euphorisch gefeiert und gleichzeitig von antikolonialen oder feministischen Protestbewegungen als Chauvinismus beschrieben. Auch der Künstler Joseph W. Huber nahm eine kritische Position ein: Die Erdkugel erscheint in einem Bild, das ab 1982 als Postkarte und Poster Verbreitung fand, als schwarzweiße Geistererscheinung. Eine rot umrandete Legende, in der sich auch die Unterschrift des Künstlers findet, verkündet unmissverständlich: „Vom Umtausch ausgeschlossen“.¹1

Seit den 1970er Jahren ist an vielen Orten der Welt ein solcher maßen gesteigertes Umweltbewusstsein zu verzeichnen, 1972 beschwor ein vom Club of Rome in Auftrag gegebener Bericht The Limits to Growth. Obwohl sich auch in der DDR durchaus Plakate zu diesem Thema finden lassen, galten ökologische Belange als politische Provokation. Seit Anfang der 1980er Jahre wurden Umweltprobleme in öffentlichen Zusammenhängen nicht mehr thematisiert; Aktivitäten fanden sich vor allem im Kontext der Kirchen.2 Joseph W. Huber hatte sich jedoch schon seit den 1970er Jahren intensiv mit ökologischen Fragen auseinandergesetzt. Er gehörte zu einem Netzwerk von Mail Art Künstler *innen, die von der DDR aus zahlreiche…

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