Ausstellungen: München · von Martin Blättner · S. 301 - 303
Ausstellungen: München ,

München

Franz Erhard Walther

Shifting Perspectives

Haus der Kunst 06.03.– 29.11.2020

von Martin Blättner

Es geht also durchaus, eine Ausstellung im Haus der Kunst zu platzieren, die sich wie ein Gegenentwurf zur Monumentalität eines Gebäudes anfühlt, das unter persönlicher Beteiligung Hitlers errichtet wurde. Mit der signalfarbigen und prozesshaften Konzeptkunst Franz Erhard Walthers, die das menschliche Maß in den Mittelpunkt seiner Kunst stellt, ist dem Museum und der Stadt München wohl jetzt wieder ein Befreiungsschlag in seiner Geschichte nach 1945 gelungen. Statt Pathos wird das Geniale als Geste ganz neu definiert und in die Handlung überführt. Es sind Handlungsanweisungen, die den Betrachter zur Partizipation einladen und ihn einbeziehen. Er darf selbst Teil einer Skulptur werden, die nicht in Stein gemeißelt ist. Schon im ersten Hauptraum agiert ein Team, das den Besuchern freistellt, sich in ein entsprechendes „gestisch-plastisches Gespräch im Raum“ einzulassen. Ein buntes Feld von „Handlungsbahnen“ ist zudem – teils gerollt oder geschichtet, kontrastreich in Blau, Gelb und Orange gehalten, dazwischen farbiges Grau und Beige – auf dem Boden installiert, akkurat geordnet und abgestimmt.

Das Feld der Handlungsbahnen hat die Qualität einer ausgeklügelten Komposition mit plastischen Relieferhebungen, obgleich sie nicht fixiert ist. An den Wänden hängen 24 gelbe „Säulen“ aus Textil mit teils erschlafftem Volumen oder „Werkstatt“-Installationen mit angenähten Behältnissen, die sich auf menschliche Proportionen beziehen, mit oder ohne Untersockeln. All das ist schon eine farben- und formbefreite Inszenierung, die durch ihre Stringenz bis in das kleinste Detail wirkt. Franz Ehrhard Walther geht es darum, Handlungsoptionen möglich zu machen. Dazu bedient er sich eines strengen Regelwerks exakt…

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