Ausstellungen: Hannover , 2010

Michael Stoeber

Marine Hugonnier

Kunstverein Braunschweig, 12.9. – 22.11.2009

1931 äußert Bertolt Brecht Zweifel am Wert der Fotografie. Er schreibt: „Eine Fotografie der Kruppwerke oder der AEG ergibt beinahe nichts über diese Institute. Die Realität ist in das Funktionale gerutscht. Die Verdinglichung der menschlichen Beziehungen, also etwa die Fabrik, gibt die letzteren nicht mehr heraus.“ Der berühmte und oft zitierte Befund erinnert uns daran, dass die Fotografie ein indexalisches Zeichen ist und auf die Wirklichkeit verweist wie Rauch auf Feuer. Dennoch ist sie kein einfacher Spiegel der Wirklichkeit. Sie folgt dem Blick des Fotografen und vermittelt uns dementsprechend sein Bild von ihr. In jeder Aufnahme findet sich eine spezifische Art der Wirklichkeitskonstruktion. Kein Bild ist unschuldig. Immer liegt seinem Zustandekommen eine bestimmte „Politik des Sehens“ (Hugonnier) zugrunde. Und es ist dieser determinierte Blick, bestimmt durch die jeweils eigene Biografie, Kultur und Geschichte, der die französische Künstlerin Marine Hugonnier interessiert. Ihm widmet sich ihre Kunst, mit der sie sich bewusst in eine Tradition der Aufklärung stellt, wie sie die besten Werke ihrer Nation auszeichnet. Ihre retrospektive Schau, die zuvor in Frankreich und Schweden gezeigt wurde, hat jetzt Deutschland erreicht. Der Braunschweiger Kunstverein „Salve Hospes“ hat die Ehre, die Arbeiten der bei uns noch kaum bekannten, 40jährigen Multi Media Künstlerin exklusiv vorzustellen.

Bei Eintritt in den ersten Raum wird der Betrachter überwältigt von einem grandiosen Schauspiel aus Licht und Farbe. Zwei großformatige Fotografien aus dem Jahre 2001 zeigen ihm zwei herrliche Sonnenaufgänge. Nichts als rotgelbes Glühen, Wolken, Himmel und Meer! Bilder, die wir so oder so…

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von Michael Stoeber

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