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Ausstellungen: Berlin · von Michael Hauffen · S. 260 - 262
Ausstellungen: Berlin ,

Berlin
Martha Cooper

Taking Pictures
Urban Nation 02.10.2020–01.08.2021

von Michael Hauffen

Als die erste Graffiti-Welle über New York hinwegrollte, lag die Niederschlagung der Massenproteste von 1966 / 1970 noch nicht lange zurück. Der Theoretiker Jean Baudrillard interpretierte das Phänomen als eine weitere wilde Offensive, als Angriff allerdings, der sich nun gegen den medialen Terror richtete. Leere Zeichen, nämlich zumeist aus Comic-Strips entnommene Namen, wurden in großer Zahl auf Gebäude und Transportmittel gesprayt und brachten einen rebellischen Geist zum Ausdruck, der wie ein Aufschrei die Separierung in ruinöse Identitäten durchbrach.

Die Fotografin Martha Cooper war auf mehrfache Weise prädestiniert, diesem Phänomen und seiner weiteren Entwicklung mit der Aufmerksamkeit einer tiefen Sympathie zu begegnen. Einerseits hatte sie sich schon als Pressefotografin nebenbei leidenschaftlich dem Leben der Straße zugewandt und sich der Beobachtung spielender Kinder in der Lower East Side gewidmet, die einfallsreich einen Raum zu nutzen wussten, der ihnen nicht gehörte. Andererseits war die studierte Ethnologin zuvor schon tief in subkutane Bereiche einer Kultur, nämlich in die Praxis japanischer Tattoo-Künste vorgedrungen. Und nun gingen diese jugendlichen Ghettobewohner daran, ganz New York mit einem gigantischen Tattoo zu überziehen, das die hierarchische Kontrolle über sein visuelles Erscheinungsbild sabotierte.

Spätestens als 1984 Coopers Fotoband Subway Art erschien, konnte man dabei von einer ausgefeilten Ästhetik sprechen, die durch die Konkurrenz der Sprayer untereinander befeuert wurde, und dem Graffiti schließlich weltweite Aufmerksamkeit bescherte. Das Buch motivierte zudem zahlreiche Nachahmer. Es wurde zum Basis-Kompendium nachwachsender Generationen von Künstler*innen, mit denen die Fotografin weiter in Kontakt blieb und denen sie an viele andere Orte…

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