Ausstellungen: London · von Edgar Schmitz · S. 427
Ausstellungen: London , 2002

EDGAR SCHMITZ

Nan Goldin: Devil’s Playground

Whitechapel Art Gallery, London, 26.1. – 1.4.2002

Auch in Goldins Arbeiten der letzten Jahre gibt es viel Sex und Körper, Gefühl und Trauer, und immer wieder Bilder von einer melancholischen Schönheit, die sich aus all diesem speist, gleichzeitig aus ihm hervorkommt und dagegen ansteht. Anders als in ihren früheren Arbeiten aber geht es hier nicht um eine Welt (oder eine bunte Vielzahl von sehr ähnlich aussehenden Welten zwischen Londoner Skinheads und New Yorker Drag Queens), sondern um Menschen mit Orten: Orte, die immer wieder in Titeln ausgewiesen sind, und Menschen, die eigentlich immer nur unter der Bedingung von Paaren auftreten. Wo jemand allein erscheint, ist das in Ablösung vom Paar, aber nicht von ihm unabhängig; auch wenn das gerade nicht heißt, das die Zuordnungen eindeutig sein müssten. Wo Charaktere in Goldins Erzählung auch quer durch die Fotogruppen neu eingebunden auftreten, werden Zuordnungen zu Situationen oder Partnern selbst ebenso uneindeutig wie die sexuellen Präferenzen, von denen sie hier zumindest zum Teil abhängen.

Die neuen Serien der letzten Jahre sind Porträts, die sich gerade in ihrer Verarbeitung als Dia- und Tonpräsentation zu Liebeserklärungen und Versatzstücken eines Fotoromans zusammenziehen und eine Form von Intimität herstellen, die viel mit Film zu tun hat und fast nichts mit Authentizität und gerade darin ihre Wirkung entfaltet.

Im Abspann dankt Goldin ihren Freunden dafür, dass sie ihre Intimität mit ihnen teilen durfte. Aber geteilt sind diese Intimitäten eigentlich nicht, vielleicht geöffnet, aber nicht geteilt. Intimität ist hier etwas anderes als in den frühen Arbeiten, zu deren…

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