Titel · von Susanne Boecker · S. 254
Titel ,

Schweiz

Pauline Boudry / Renate Lorenz

Moving Backwards
Kommissar*innen: Swiss Arts Council Pro-Helvetia: Marianne Burki, Sandi Paucic, Rachele Giudici Legittimo
Kuratorin: Charlotte Laubard
Ort: Giardini

Auf der 58. Biennale Venedig geht es wohl nirgendwo politisch korrekter zu als im deutschen und im Schweizer Pavillon. In letzterem hat das Künstlerinnenduo Pauline Boudry / Renate Lorenz ein Projekt realisiert, das „vor dem Hintergrund des gegenwärtigen Backlash Praktiken des Widerstands erforschen“ soll. Unter dem Titel Moving Backwards will ihr Biennale-Beitrag Bezug nehmen auf die aktuelle politische Situation „mit ihren regressiven und reaktionären Kräften der Abschottung gegenüber allem, was anders ist“.

Wie nun hat das Künstlerinnenduo diese Forschungsarbeit umgesetzt? Der geschlossene Hauptraum des Pavillons wurde durch Stufen zweigeteilt: in einen Zuschauerraum und eine Bühne. Diese kann durch einen transparenten Glitzervorhang abgetrennt werden. Im anschließenden geöffneten Teil des Pavillons wurde eine Art Bar mit langem Tresen eingerichtet. Auf der Bühne vorgeführt wird das Video Moving Backwards, dessen inhaltliche Grundidee darin besteht, mit Rückwärtsbewegungen zu experimentieren. Teile der Gehbewegungen, Soli und Gruppentänze wurden rückwärts ausgeführt, andere im Nachhinein digital verdreht. Tänzerisch umgesetzt wurde diese Idee von fünf Performer*innen: Julie Cunningham, Werner Hirsch, Latifa Laabiss, Marbles Jumbo Radio und Nach. Allesamt verstehen sich als Vertreter*innen der queeren Kultur und verkörpern damit auf der Bühne wie im echten Leben ein Anderssein, das sich gängigen Kategorisierungen entzieht und verweigert.

Inspiriert wurde das Video von der Praxis kurdischer Guerillakämpferinnen, die ihre Schuhe umgekehrt anzogen, wenn sie in den verschneiten Bergen von einem Stützpunkt zum nächsten gingen. Diese Taktik hat vielen dieser Frauen wohl das Leben gerettet….

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von Heinz-Norbert Jocks

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