vorheriger
Artikel
nächster
Artikel
Titel · von Susanne Boecker · S. 262 - 263
Titel ,

Spanien

Itziar Okariz, Sergio Prego

Perforated by Itzikar Okariz and Sergio Prego
Kommissar: AECID (Spanische Agentur für internationale Entwicklungszusammenarbeit), Ministerium für äußere Angelegenheiten, die Europäische Union und Zusammenarbeit
Kurator: Peio Aguirre
Ort: Giardini

Von Itziar Okariz und Sergio Prego perforiert, nennt Kurator Peio Aguirre die Doppelausstellung im spanischen Pavillon. Das ist ein eigenwilliger Titel für eine ebenso spezielle Schau. Sie führt zwei baskische Künstler zusammen, die mit minimalistischen Mitteln arbeitend das Zusammenspiel von Körper und Raum erforschen. Der zentrale Hauptraum ist fast leer – und doch bis in den letzten Winkel gefüllt. Zu sehen und vor allem zu hören ist Okariz’ Video-Installation Ocean Breathing. Darin pusten und blasen zwei Frauen in Mikrofone. Ihre Atemgeräusche klingen wie Windböen, die durch den geöffneten Raum fegen und bis in seine kleinsten Ritzen vordringen. Der Klang ist so intensiv, dass man den Luftzug regelrecht zu spüren glaubt.

Dieses Durchpusten ist eine der verschiedenen „perforativen“ Gesten, mit denen Itziar Okariz (geb. 1965) und Sergio Prego (geb. 1969) den spanischen Pavillon durchlöchern und ihn als Resonanzraum für den physischen Körper erkunden. Luft spielt auch in Sergio Pregos Arbeiten eine wichtige Rolle. Für seine Interventionen im Raum und für seine Skulpturen nutzt er oft pneumatische Materialien. Ursprünglich wollte Prego den Pavillon mit riesigen, luftgefüllten eckigen Körpern aus transparentem Material bestücken (das Modell ist ausgestellt). Dieses Projekt wurde aus technischen Gründen jedoch nicht realisiert. Stattdessen produzierte der Künstler eine Serie von schwarzen und rosa Skulpturen aus gegossenem Kunstharz. Die zu Ringen geschlossenen Tetraeder liegen verstreut im Ausstellungsraum sowie im Hinterhof, den Prego ebenfalls bespielt.

Der Künstler hat den schmalen Streifen in einen üppigen grünen Garten verwandelt. Darin gibt es auch die für Venedigs Gärten so typischen Brunnen – allerdings keine weißen Marmorbecken, sondern Säcke aus schwarzer Plane. Aus diesen ergießt sich ein dicker Wasserstahl in den Kies. Wie man den vorbereitenden Zeichnungen entnehmen kann, orientiert sich die Fallhöhe des Wasserstrahls an Männern, die in viriler Pose im Stehen urinieren. Damit sind Pregos Brunnen eine direkte Anspielung auf Itziar Okariz’ Performance-Serie To pee in private or public spaces (An öffentlichen Orten pinkeln). So zeigt ein 2001 aufgenommenes Video die Künstlerin breitbeinig pinkelnd in einem New Yorker Hinterhof. Mit ihren Pinkelaktionen „durchlöcherte“ Okariz die für den öffentlichen Raum geltenden Spielregeln.

In ihrem Performance-Video The Statues tritt die Künstlerin in eine lebendige Interaktion mit verschiedenen Skulpturen. In Ausstellungsräumen trifft sie mittelalterliche Reliquiare oder Werke moderner Kunst und führt mit ihnen eine intime Unterhaltung. Die anschließend verfassten Aufzeichnungen erinnern an Partituren: Auf der linken Seite stehen die gesprochenen Worte der Künstlerin, auf der rechten die schweigenden Entgegnungen ihres Gegenübers. Während der Eröffnungstage unterhielt sich Okariz im Pavillon mit einer von Jorge Oteiza geschaffenen Porträtbüste des Malers Otano. (SB)