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58. Biennale Venedig: Gespräche

Franciska Zólyom

Im Wendekreis des Übergangs

Heinz-Norbert Jocks: Es scheint, als wendeten Sie sich mit Ihrem kuratorischen Konzept für den deutschen Pavillon von dem allgemeinen Kunstverständnis ab?

Franciska Zólyom: Ich frage mich oft, ob die Vorstellungen von Kunst und die daran geknüpften Erwartungen nicht auf ein verengtes Kulturverständnis zurückgehen, welches bestimmte Formen der Erzählung voraussetzt. Mich interessiert das Assoziative und das Dekonstruktive, insofern mich Geschichten reizen, die weder in sich geschlossen sind, noch linear erzählt werden, sondern inkonsequent und bruchstückhaft. Als Rezipient hat man so die Möglichkeit, die Bestandteile von Erzählungen immer wieder neu, immer wieder anders zusammenzusetzen, die „Lücken“ mit eigenen Gedanken und Assoziationen aktiv zu besetzen. Das kann sowohl ästhetisch, als auch politisch ermächtigend sein.

Offenbar liegt Ihnen daran, dass das Sehen und Hören von Kunstwerken beim Rezipienten etwas auslösen, da nicht alles vorbestimmt und nicht alles bis zum Ende vorgekaut wird. Das von Ihnen Formulierte hat auch mit der Ursprungsidee der Avantgarde und der Ablehnung des totalisierenden Blicks auf die Welt zu tun.

Es ist eher die Idee der „offenen Form“, welche in den mich inspirierenden Künsten auf unterschiedliche Weise ausformuliert wurde. Dabei spielt auch die Frage von Autorenschaft eine wichtige Rolle. Geht man von einem allwissenden Autor aus oder von Fragen, mit denen man sich auseinandersetzen will? Roland Barthes paraphrasierend: Was bedeuten die verschiedenen Lesarten für ein künstlerisches Werk? Ein weiterer Aspekt ist, dass ganz andere Denk- und Handlungsräume möglich werden, sobald die Trennung zwischen verschiedenen Wissensformen und Gattungen, zwischen Kunst und Nicht-Kunst aufgebrochen…

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von Heinz-Norbert Jocks

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