Ausstellungen: Bonn · von Martin Seidel · S. 413
Ausstellungen: Bonn , 2001

Martin Seidel

Werke aus der Sammlung des Kunstmuseums Bonn

Ein Jahrhundert: Hanne Darboven, Jochen Gerz, Rémy Zaugg

Bewegte Ordnung: François Morellet, Jan Schoonhoven, Klaus Rinke, Monika Baumgartl

Kunstmuseum, Bonn, 22.2. – 29.4.2001

Kunst war immer schwer, und sie wird immer schwieriger. Paul Cézanne wusste noch, was er wollte, als er 1872/73 „Das Haus des Gehenkten“ (Musee d’Orsay) malte. Rémy Zaugg (Jahrgang 1943) ließ knapp hundert Jahre später dieses Schlüssel-Gemälde, das eine Wende nicht nur in Cézannes Ouvre einleitete und doch noch ein nach allen Regeln der Kunst, des Zusammenspiels von Form und Farbe erstelltes „Bildwerk“ ist, nicht mehr los. Doch Zaugg malte und zeichnete nicht, und er brachte seine Gedanken zu dem Gemälde auch nicht in die linear-logische Form des expositorischen Textes. Vielmehr erfand er „Wahrnehmungsskizzen“, auf denen er immer wieder Farben und Bildgegenstände notierte, die wesentlichen Bildelemente wie den Weg, das Haus, den Bach oder die Bäume begrifflich ersetzte; dann verdichtete er die Blätter immer mehr zu komplexen Wort-Skizzen-Diagrammen, um schließlich nach langem Diskurs zum Allerwesentlichsten vorzudringen: zum Wort „vert“ (grün). Zauggs die Cézannesche Werkeinheit zerfleddernden Radierungen entstanden in den 60er Jahren, in einer Zeit, die von grundsätzlichem Zweifel, von Skeptizismus, Gesellschafts-, Wissenschafts- und besonders auch von Kunstkritik geprägt war. Auch Zaugg vertraute offenbar nicht mehr auf die üblichen Mittel der Sprache und der bildkünstlerischen „imitatio“, sondern versuchte stattdessen eine sprachkünstlerisch-symbolische Annäherung.

Zauggs 1990 unter dem Titel „Entstehung eines Kunstwerks“ publizierte 48-teilige Bildfolge, die trotz der Spontaneität der Auseinandersetzung paradoxerweise im Medium der Radierung daherkommt, füllt nun einen ganzen Raum der Graphischen Sammlung des Bonner…

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