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Titel: exhibit! - IV. Kunst, Politik und Ausstellen · von Eva Kernbauer · S. 154 - 161
Titel: exhibit! - IV. Kunst, Politik und Ausstellen ,

Alice Creischer & Andreas Siekmann

Ausstellungen gegen das Kuratiert-Werden
Ein Gespräch von Eva Kernbauer

Alice Creischer und Andreas Siekmann haben seit den 1990er-Jahren eine Reihe von Ausstellungen gemeinsam und mit anderen konzipiert, die das professionelle Regelwerk des Kuratierens gekonnt unterlaufen. Beide sind zudem unabhängig voneinander als Künstler / innen aktiv, darunter unter anderem bei der documenta 11 (Siekmann) und bei der documenta 12 (beide).

Eva Kernbauer: Unser Gespräch bezieht sich primär auf eure gemeinsamen künstlerischen Ausstellungsprojekte, also „Die Gewalt ist der Rand aller Dinge“ (2002), „Ex Argentina“ (2004) und die gemeinsam mit Max Hinderer kuratierte Ausstellung „Principio Potosí“ (2010). Woher kommt euer Interesse am Ausstellen, gerade in der Abgrenzung vom Professionalismus des Kuratierens?

Alice Creischer & Andreas Siekmann: Ende der 1980er- und in den 1990er-Jahren war es für uns wichtig, den arbeitsteiligen Beruf des / r KünstlerIn zu hinterfragen und das Kuratiert-Werden, die Vermittlung etc. in die Praxis miteinzubeziehen: Wer spricht für wen, wer lädt wen wie ein? Das Kuratiert-Werden kam uns in dieser Zeit vor wie ein passiver Prozess. Wir nannten uns deswegen auch scherzhaft 3K-Künstler (Kritiker-Kuratoren-Künstler), weil wir darin ein Motiv sahen, eine eigene selbstbestimmte künstlerische Praxis zu entwickeln, die auch die Deutungshoheit über die eigene Arbeit miteinschloss. In den Neunzigerjahren konnten wir uns auf viele selbstorganisierte Praxen beziehen und arbeiten. Es bestand eher das Problem, wie man beiden Begehren nachkommen kann: einerseits in kollektiven kommunikativen Prozessen etwas gegen die Logik der eingefahrenen institutionellen Apparate zu setzen, andererseits nicht auf eine individuelle „autonome“ künstlerische Arbeit verzichten zu können. Am…


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