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Zeichnen zur Zeit X · von Reinhard Ermen · S. 210 - 213
Zeichnen zur Zeit X ,

Robin Rhode

Die Kamera dokumentiert die Zustände einer wachsenden Wandzeichnung und wie eine auch zwei Figuren in ihrem Umkreis reagieren, die Wand mit dem Motiv geradezu anspringen, sich unter der Form wegducken oder deren wucherndes Dasein wie in einem rituellen Tanz auffangen und begleiten. Diese Kunst macht Staunen, sie ertastet die Grenzen der Gattungen, derer sie sich bedient, sie passt in keine Schublade und kommt doch daher als das Selbstverständlichste nur Denkbare. Robin Rhode realisiert ein unverwechselbares Zusammenspiel von Performance, Photographie, Film, Zeichnung und Malerei. In den Höfen von Johannesburg Westbury werden diese Bildphantasien realisiert, wo Robin Rhode und sein 18köpfiges Team besonders gerne eine ganz bestimmte charakterstarke, schrundige Wand bespielen. Viele der Helfer kommen direkt aus den sozialen Brennpunkten der Nachbarschaft, die Straße, in der diese lebenden Bilder geboren werden, ist seine Bühne; nicht mehr und nicht weniger.

Das ist keine Street-Art, wie gelegentlich zu hören ist, es geht um Graffitis auf Zeit mit choreographischen Sekundenblitzen. Die Vorbereitungen sind immens, gerade den späten Sequenzen wie „Paradise“ sieht man an, dass Robin Rhode alles andere als ein Sponti ist, vielmehr einer, der sehr bedacht Farben und Formen setzt, durchaus mit dem Bewusstsein für seine Heroen der Kunstgeschichte. Seit 2002 arbeitet Robin Rhode in Berlin, da kann er neue Konzepte entwickeln und erproben, die er in Südafrika realisiert und von da in die Ausstellungshallen der westlichen Zivilisation trägt. Dieser Transfer ist Teil seiner Arbeit, die sich auch aus der Dialektik von Herkommen und Distanz ernährt. Die Realitäten in Johannesburg spielen immer mit und…

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