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Titel: exhibit! - IV. Kunst, Politik und Ausstellen · von Eva Kernbauer · S. 136 - 145
Titel: exhibit! - IV. Kunst, Politik und Ausstellen ,

IV. — Kunst, Politik und Ausstellen
Ortswechsel

Politische Kunst auf der Bühne der Ausstellung
von Eva Kernbauer

Wozu soll man politische Kunst ausstellen? Den orthodoxen Interpretationen des künstlerischen Aktivismus entsprechend hat Politik im Ausstellungsraum nichts verloren: Der Bezug zur breiten Öffentlichkeit wird auf denjenigen zum Kunstpublikum eingeschränkt, während die White Cube-Ideologie jeden politischen Ansatz im Ästhetischen ertränkt.1 So oder so ähnlich kann die Frontstellung zwischen Kunst und Politik skizziert werden, die sich in Fortführung der Autonomiedebatten der Moderne auch in der Gegenwart als so unlösbar wie produktiv erweist. Dennoch: Als soziale und institutionelle Konstellation ist der Ausstellungsraum mit seiner Affinität zu Bildung und Vermittlung ein immer wertvollerer Partner für sozial engagierte und politische Künstler / innen. Seit Jahrzehnten tragen diverse diskursive, soziale, performative und educational turns, unterstützt von (milden) gesellschaftspolitischen Konzeptionen wie den Relational Aesthetics und den einflussreichen, von Juliane Rebentisch und Jacques Rancière vertretenen, Positionen zur Neubewertung des Verhältnisses von Kunst und Politik2 zur stetigen Umwandlung des Ausstellungsraums in einen Veranstaltungsort bei, der sich auch als Forum für politische Fragen eignet. Auf Basis dieser Entwicklungen ist die künstlerische Auseinandersetzung mit den Potentialen des Ausstellungsraums enorm vielfältig und komplex.

Was, wenn wir die spezifischen Charakteristika der Bühne, ihre Bildlichkeit, Performativität und Theatralität, nicht als Makel, sondern als Ausgangspunkt für künstlerischpolitisches Ausstellen begreifen?

Wie man Kunst als direktes Werkzeug zur sozialen Transformation, quasi als Alibi,3 einsetzt und den Ausstellungsraum unmittelbar zur Plattform für politische Projekte macht, hat die von Artur Żmijewski kuratierte 7. Berlin Biennale 2012 vorgeführt. In einer radikalen künstlerischen Geste, die konventionellere kuratorische…

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