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Zeichnen zur Zeit X · von Reinhard Ermen · S. 190 - 193
Zeichnen zur Zeit X ,

Hamish Fulton

Texte über Hamish Fulton beginnen oft mit dem, was er nicht ist. Er selbst setzt zu Anfang gerne mal eine unmissverständliche Verneinung: THIS IS NOT LAND ART. Stattdessen besteht er darauf, sich über das, was er im Wesentlichen tut, zu definieren, als „walking artist“. In der Tat, der Künstler geht! Er durchstreift Länder, Landstriche oder einfach nur Orte, die sich anbieten, manchmal tagelang, auch schon mal über Wochen und Monate. Dort Spuren zu hinterlassen ist nicht sein Anliegen, er bringt auch keine Steine oder andere Trophäen mit, allenfalls Abriebe auf malträtierten Zetteln oder wetterfeste Notizen, die er vorzeigt wie seine abgelaufenen Schuhsohlen. Das andere Material, das er in Erinnerung an seine zurückliegenden Gänge auffährt, erscheint graphisch streng, partiell sogar enthaltsam. Fulton könnte ein Konzeptkünstler genannt werden. In Harald Szeemanns documenta 5, also bereits 1972, wurde er in der Abteilung 17 „Idee“ gezeigt, wo Konrad Fischer und Klaus Honnef die Konzeptkunst verhandelten.

Da entwickelt also einer mit dem Gang durch ausgewählte Territorien im Hinterkopf ein eigenwilliges Bildrepertoire, das andeutungsweise mit dem Vorangegangenen im Zusammenhang steht; aber gleichsam zu kargen Text- und Wortfeldern geronnen, als sei es mit dem Abstand sozusagen erkaltet. Doch auch zur Concept Art geht Fulton auf Distanz. Im Gespräch mit Heinz Schütz (KUNSTFORUM Bd. 245, 2017) lautet seine Richtigstellung so: „Wenn ein Konzeptkünstler ein Konzept realisiert, kommt es ihm nicht primär darauf an, das Konzept in eine Erfahrung zu überführen. Bei mir hingegen geht es um die Idee für eine körperliche Erfahrung, die sich im Gehen einstellt.“ Wie…

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