Ausstellungen: Hamburg ,

Hamburg

Florian Slotawa

Stuttgart Sichten

Deichtorhallen 26.10.2018 – 20.01.2019

von Hajo Schiff

Ein White Cube mit schöner, autonomer Kunst? Nein, alles ist Nichts ohne den Kontext. Selbst über die Bedeutung und den Nutzen eines Urinoirs entscheiden seit 1917 Ort und Art der Präsentation. Und heute scheint oft die Provenienz wichtiger als die Sache selbst. Wenn Hamburg nun die Chance bekommt, eine Auswahl von achtzig Stücken der Skulpturensammlung der Staatsgalerie Stuttgart auszustellen, ist eine bloße Translokation zu wenig. In Zeiten gerne gesuchter Sensationen muss noch etwas dazukommen. Also darf der 1972 geborene, in Berlin lebende Künstler Florian Slotawa die Arbeiten auswählen und arrangieren, kombinieren und konterkarieren. Und flugs entsteht aus einer Ansammlung erstrangiger plastischer Werke eine Ausstellung über das Problem der Präsentation. Sockel und Rückseiten, Größe und Verpackung, Sicherheitsmaßnahmen und Begegnungsformen werden mehr oder weniger aufwendig thematisiert. Dazu werden die den Vorbildern entnehmbaren Vorgehensweisen auch in eigene Arbeiten Slotawas umgesetzt.

Manche Interventionen sind nahe am Bierwitz eines Kunsthallenvolontärs: Eduardo Chillidas schmiedeeisernen Materialknoten „Vibracion 1“ von 1955 mit 5 Vitrinen voller unterschiedlich aufgetürmter und ineinandergesteckter Biergläser zu antworten beispielsweise oder das einfache Umdrehen eines Tonreliefs, sodass von Adolf von Hildebrands 1888 gebrannter klassizisierender Figurenallegorie „Herbst“ nun bloß ganz werktechnisch die nackten Hohlräume und das Stützraster zu sehen sind. Aber manche Dialoge eröffnen tatsächlich neue Assoziationen: Da wurden in der weiten und hohen Ausstellungshalle fünf Großplastiken auf gleiche Höhe gebracht oder erstmalig zusammengestellte figurale Skulpturen aus mehreren Jahrhunderten, darunter Rodins breitest ausschreitende Götterbotin Iris oder der Boxer Max Schmeling, kämpfen um ihre Wirkung vor den hier zur Folie werdenden,…

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