Gespräche mit Künstlern ,

Luc Tuymans

Das Auftauchende und das Verschwindende

Ein Gespräch von Heinz-Norbert Jocks

Luc Tuymans, heute einer der weltweit angesehensten und eigensinnigsten Maler Belgiens, gehört zu den Künstlern, die mit ihrem Werk Anfang der 90er Jahre die Rückkehr zur totgesagten figurativen Malerei einläuteten. Mit dem Neo-Expressionismus hatte er nie etwas am Hut. Seine Malerei berührte sich auch nicht mit Gerhard Richters Reaktion auf Fotografie als Konkurrenz zur Malerei. Im Gegensatz zu Markus Lüpertz, Jörg Immendorff, Georg Baselitz und Anselm Kiefer badete Tuymans nie in der Farbe. Vielmehr reduzierte er die Farbpalette auf ein essentielles Minimum. Ist sein Farbspektrum eher begrenzt, so fällt die thematische Bandbreite umso größer aus. Sie reicht von der Darstellung trostloser Landschaften, verlassener Villen, von Topfpflanzen und Lampenschirmen bis hin zur kritischen Auseinandersetzung mit politischen Persönlichkeiten, historischen Ereignissen und kollektiven Traumata.

Heinz-Norbert Jocks: Wie jeder Mensch hast auch du bereits als Kind gezeichnet. Warum hast du nie damit aufgehört?

Luc Tuymans: Wenn ich auch nicht autistisch war, so war ich als Kind doch sehr auf mich konzentriert. Ich zeichnete obsessiv. In gewisser Weise kündigte sich damals an, dass das Zeichnen eine besondere Rolle für mich spielte. Ich war mir aber nicht dessen bewusst, dass ich auf dem besten Weg war, Maler zu werden. Die Idee, Malen zum Beruf zu machen, kam von meinem Lehrer und dadurch, dass ich von der Akademie angenommen worden war. Ich dachte anfangs aber mehr an Design als an Malerei, weil die Aussichten, von Kunst zu leben, nicht gerade rosig waren. Es war mein Glück, von…

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von Heinz-Norbert Jocks

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