Ausstellungen: Frankfurt · von Isa Bickmann · S. 290 - 292
Ausstellungen: Frankfurt ,

Frankfurt

Frank Walter

Eine Retrospektive

Museum für Moderne Kunst 16.05.– 15.11.2020

von Isa Bickmann

Mit einer Ansammlung von Palmen als „L’Entrée de l’exposition“ berief sich Marcel Broodthaers 1974 auf Präsentationsformen des kolonialistischen 19. Jahrhunderts. Angeordnet im ersten Saal der das gesamte MMK füllenden Ausstellung wirken die Pflanzen wie eine Einstimmung auf zu erwartende Exotismen. Gleichzeitig vermag dieses Entrée grundlegende Fragen des Kuratierens und Inszenierens aufwerfen: Das Œuvre Frank Walters zu präsentieren, eines hierzulande unbekannten Künstlers und Nachfahrens karibischer Sklaven, stellt eine Kuratorin, die fest im Sattel des westlichen Kunstbetriebs sitzt, vor die Frage, wie man die sozialen Aspekte seiner Biografie, Identitätsfragen, Rassismus und (Post-)Kolonialismus diskutieren und dabei dem Werk selbst genügend Freiraum zugestehen kann. Susanne Pfeffer stellt sich dieser Aufgabe, in dem sie Walters Person und Schaffen in einen Dialog mit Werken der Künstler*innen John Akomfrah, Khalik Allah, Kader Attia, Marcel Broodthaers, Julien Creuzet, Birgit Hein, Isaac Julien, Kapwani Kiwanga, Carolyn Lazard, Julia Phillips, Howardena Pindell und Rosemarie Trockel treten lässt. Deren Inhalte sind im Hinblick auf die Black-Lives-Matter-Bewegung brandaktuell geworden.

Frank Walter war ein Mann mit enormer Schaffenskraft, die jedoch zu Lebzeiten nie in eine Ausstellung mündete. Man zählt 5000 Gemälde, 600 Holzskulpturen, Holzspielzeuge, bemalte Bilderrahmen, Fotografien sowie 50.000 Seiten Text und 450 Stunden Tonbandaufnahmen. Eine Inszenierung der Kleinformate in der Dichte, wie Walters OEuvre im Pavillon Antigua-Barbuda 2017 in Venedig der Kunstwelt erstmals vorgestellt wurde, wäre im Hollein-Bau nicht denkbar gewesen. So bieten sich die zumeist undatierten und unbetitelten Werke in den schmalen Originalleisten inmitten farbiger, im Kolorit der Karibik gestrichener Wände minimalistisch und…

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