Ausstellungen: Nordhorn , 2001

Michael Stoeber

Guillaume Bijl

Städtische Galerie Nordhorn, 12.1. – 18.3.2001

Als Guillaume Bijl 1984 auf der Baseler Kunstmesse einen Lampenstand aufbaut, als sei er auf einer Möbelmesse, wollen ihn einige Galeristen rausschmeißen lassen. Als er 1987 mit der Installation „Four American Artists“ durch die Museen zieht, einer Wanderausstellung mit vier fiktiven Künstlern, will der Kurator Wim Beeren unbedingt eine der Arbeiten kaufen und ist stocksauer, als er erfährt, dass sie von der Hand Bijls stammt. Schon vorher hat der Belgier die hohe Kunst der Simulation betrieben. Seinem „Kunstliquidationsprojekt“ von 1979 folgend, hat er Museen, Galerien und Kunsthallen auf Zeit umgerüstet, in ihnen eine „Fahrschule“, ein „Reisebüro“, ein „Fitness-Center“, eine „Nervenklinik“ oder einen „Atombunker“ eingerichtet. Bei all dem geht es Bijl nicht um eine Parodie der Kunst, das wäre ein großes Missverständnis, sondern er parodiert die Art und Weise, wie unsere Zeit und unsere Gesellschaft mit Kunst und Kultur umgehen.

Dass es Bijl bei seinen kritischen Interventionen auch um die Art und Weise geht, wie wir uns erinnern und wie wir Vergangenheit wahrnehmen, macht eine sehenswerte Ausstellung in der Städtischen Galerie in Nordhorn deutlich. Unter dem Titel „Museum für die Souvenirs der sechziger Jahre“ des zwanzigsten Jahrhunderts hat Bijl dort unter anderen die Boxhandschuhe von Cassius Clay versammelt, den Füllfederhalter von Konrad Adenauer, das Pillendöschen der Piaf und die Angelrute von Hemingway. Weiter sieht man die Filmkamera von Faßbinder und die Polaroidkamera von Warhol, die Schuhe der Monroe und den Schreibtischstuhl von John F. Kennedy, den Lippenstift der Minelli und das Mikrophon von Martin Luther…

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von Michael Stoeber

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