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Kollaborationen · von Max Glauner · S. 310 - 319
Kollaborationen ,

Kollaborationen Teil 8:
Kollaborative Kampagnen

Christian Jankowski, John Bock und Olaf Nicolai an der Berliner Schaubühne
Eine Gesprächsreihe von Max Glauner

Was heißt gemeinsam künstlerisch arbeiten? Wo wir mit dem zweiten Corona-Lockdown wieder vereinzelt vor den Bildschirmen sitzen und Gemeinschaft in den Splitt Screens von Google und Zoom erahnen können, stellt sich diese Frage mehr denn je. Denn jede künstlerische Gemeinschaftsarbeit, fragt auch nach der Bedingung der Möglichkeit derselben und geht an deren Grenzen. Hierdurch entsteht über den Vorgang hinaus modellhaft gesellschaftliche Relevanz. Den Künstlern Christian Jankowski, John Bock und Olaf Nicolai gelang dies mit einer Auftragsarbeit. Sie gestalteten die Spielzeitkampagnen der renommierten Schaubühne am Lehniner Platz in Berlin.

Das Kollaborativ nannten wir im vorangegangenen Gespräch jene ausgezeichnete Weise der Gemeinschaftsarbeit, die im weitesten Sinne „künstlerisch“ genannt werden kann. Sie setzt Akteure voraus, die egalitär am Werk- oder Aufführungsprozess beteiligt sind, ein konfliktiver, vor allem aber responsiver Vorgang, der ein hohes Maß an verbaler und nonverbaler Dialogfähigkeit voraussetzt.

Im Gegensatz zu einer Kollaboration, die eine Unterwerfung eines der Beteiligten unter dem Machtspruch des Anderen impliziert, treten im Kollaborativ gleichberechtigte Akteure auf, die, im Bild gesprochen, die Partitur erstellen, die Instrumente und die Aufführung bestimmen. Das gleichzeitige Auftreten von Free-Jazz und Fluxus Anfang der 1960er-Jahre indiziert politisch-gesellschaftliche Grundströmungen, die Suche nach neuen herrschaftsfreien Kollektiven und deren Organisation beziehungsweise Desorganisation.

Nehmen wir Michael Frieds berüchtigtes Wort aus Art and Objecthood, 1967 „das Theater ist Feind der Kunst“ ernst, haben sich die drei Berliner Künstler Christian Jankowski, John Bock und Olaf Nicolai in ein doppelt aussichtslosen Kampf gestürzt:…

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