Titel · von Susanne Boecker · S. 310
Titel ,

Madagaskar

Joël Andrianomearisoa

I Have Forgotten the Night
Kommissar: Ministerium für Kultur, Förderung des Handwerks und Wahrung des kulturellen Erbes der Republik Madagaskar
Kuratoren: Rina Ralay Ranaivo, Emmanuel Daydé
Ort: Arsenale

Welche Vorstellungen macht man sich von Madagaskar und seiner zeitgenössischen Kunst? Die wenigsten von uns werden jemals Werke von Künstlern aus dem afrikanischen Inselstaat gesehen haben – aber trotzdem gewisse Vorstellungen dazu entwickeln. Man erwartet irgendetwas „Exotisches“, „Buntes“, inspiriert von der einzigartigen Fauna und Flora der Insel. Doch derlei Projektionen und Erwartungen bedient diese nationale Präsentation nicht. Ganz im Gegenteil: Kaum ein nationaler Pavillon ist derart reduziert, konzentriert und streng gestaltet wie der madagassische.

Für seinen allerersten Auftritt auf der Biennale Venedig hat Madagaskar ein Segment in den Artiglerie der Arsenale angemietet. Joël Andrianomearisoa (geb. 1977) hat den Raum mit einer dichten Collage aus schwarzem Seidenpapier gefüllt. Wie aufgefädelte Schnittmuster oder dicht gehängte schwarze Kleider hängen die Papiere in mehreren Reihen an dünnen Drähten. Man kann die Installation nicht als Ganze erfassen, sondern muss durch sie hindurchgehen. Blickt man nach oben, sieht man das Gebälk des offenen Dachstuhls der Artiglierie. Irgendwie fühlt man sich wie in einem alten Schneideratelier oder wie auf einem Speicher, in dem ausrangierte Kleidungsstücke aufgehoben werden.

Andrianomearisoas abstrakte Rauminstallation fasziniert durch ihre Widerspenstigkeit. Die hauchzarten aufgefädelten Seidenpapiere verdichten sich zu massiven Strukturen, deren Oberflächen im Licht glänzen. Man erkennt die scharfen Konturen der geschnittenen Pariere, kann ihre Form aber nicht erfassen. Seine Arbeit ergebe sich aus verschiedenen Manipulationen, die ihn zum Endergebnis führen, beschreibt der Künstler seine Vorgehensweise: „Wenn ich eine…

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