Kollaborationen · von Max Glauner · S. 290
Kollaborationen ,

Kollaborationen Teil 5

Radikale Partizipationen

Teilhabe und Kollaboration als künstlerisches Prinzip stellt die überkommenen Produktions und Rezeptionsbedingungen auf den Kopf.
Die dänischen Künstler Christian Falsnaes und Søren Berner begeben sich in dieses unwegsame Terrain.

Ein Gespräch mit Max Glauner

Die Zusammenarbeit im künstlerischen Bereich stellt ein hoch riskantes Unterfangen dar, – ökologisch, denn die solistisch arbeitende Künstlerin hat ihre Kontrolle über den Produktionsprozess zu teilen und ökonomisch, denn der Markt verlangt außerordentliche Einzelpersönlichkeiten oder symbiotisch kooperierende Künstlerpaare und -gemeinschaften mit einer Handschrift wie Gilbert & George, General Idea oder Allora & Calzadilla. Wie diese Reihe von Kunstforum international zeigt, wagen sich dennoch viele Künstlerinnen kollaborativ ins Ungewisse.

Warum gehen sie dieses Risiko ein? Die Antwort liegt wohl in erster Linie darin, dass in der Produktionsgemeinschaft eine Form des Sozialen, des Dialogs und der Responivität gegeben ist, die sonst erst über das Publikum, Freunde, Sammler und Kuratoren hergestellt wird. Außer in performativen Aufführungsformaten ist der Arbeitsprozess in der Regel mit den Vernissagen abgeschlossen. Das Werk lässt sich kaum mehr verändern. Verlegt die Künstlerin den Response und Kritik in die Produktion, ergeben sich zwangsläufig Unvorhergesehenes und neue Perspektiven, ein Offenes, das von den Künstlern als Bereicherung empfunden wird.

Die Künstler Christian Falsnaes und Søren Berner entwickeln und erproben seit fünfzehn Jahren partizipative und interaktive Projekte. Gemeinsames Graffiti-Sprayen stand am Anfang ihrer künstlerischen Karieren. Christian Falsnaes gehört heute nach der performativen Wende Ende der 1950er-Jahre zu den bedeutendsten Vertretern der dritten Generation von Künstlern mit einer Aufführungspraxis im Kontext bildender Kunst. Provozierte und steuerte der Künstler Anfangs…

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