Titel · von Susanne Boecker · S. 358
Titel ,

Bosnien und Herzegowina

Danica Dakić

Zenica-Trilogy
Kommissarin: Senka Ibrišimbegović, Ars Aevi Museum for Contemporary Art SarajevoKuratorinnen: Anja Bogojević, Amila Puzić, Claudia Zini
Ort: Palazzo Ca’ Bernardo, Sestriere San Polo 2186

Neben dem Eingang des Pavillons von Bosnien und Herzegowina lehnt eine vergoldete Schaufel. Nicht irgendeine Schaufel, sondern eine originale Sirotanovićka, benannt nach Jugoslawiens berühmtestem Helden der Arbeiterklasse. Von Präsident Tito gefragt, was er sich denn als Anerkennung für seine harte Arbeit wünsche, soll der Arbeiter geantwortet haben: „Eine größere Schaufel“. Das Werkzeug erinnert symbolisch an die großen Zeiten der Stadt Zenica, der Danica Dakić (geb. 1962) ihre hier gezeigte Zenica Trilogy gewidmet hat.

Bis zum Beginn des Bosnien-Kriegs war Zenica eine blühende Industriestadt, in deren riesigen Stahlwerken bis zu 24000 Menschen beschäftigt waren. Heute verzeichnet die Stadt mit 40 – 50 % die höchste Arbeitslosenrate des Landes. Es herrscht extreme Luftverschmutzung. Wer aus Zenica wegziehen kann, zieht weg, wer bleiben muss, verfällt in Apathie. Nicht nur die Wohnhäuser zerfallen, auch die zahlreichen in den 70er-Jahren errichteten modernistischen Bauten verkommen zusehends. Darunter das Bosnische Nationaltheater, das nach seiner Eröffnung 1978 als Symbol von Macht und Wohlstand galt und sich zu einem der bedeutendsten Theater Jugoslawiens entwickelte.

Inzwischen tropft das Wasser aus den Hähnen und viele Fensterscheiben des Theaterbaus sind zerschlagen. Dennoch wird auf der berühmten Drehbühne weiterhin gespielt, und die Vorstellungen sind fast immer ausverkauft. Es scheint, als wirke das Erbe des Modernismus mit seiner integrierenden, utopischen Kraft hier bis heute fort. Ausgehend von diesem Gebäude und seiner Funktion für die Stadt besinnt sich Danica Dakić…

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