Titel · von Sabine B. Vogel · S. 340
Titel ,

Türkei

İnci Eviner

We, Elsewhere
Kommissar: İKSV
Kuratorin: Zeynep Öz
Ort: Arsenale

Ausgangspunkt von Inci Eviners Beitrag We, Elsewhere ist Hannah Arendts Publikation We Refugees. Erschienen erstmals 1943 in der jüdischen Zeitschrift Menorah Journal, erzählt Arendt darin die Lebensgeschichte von Herrn Cohn, der sich als Flüchtling zu assimilieren versucht und daran scheitert, dass er seine Sprache und seinen Alltag verliert – ein „Zusammenbruch der privaten Welt“, wie sie schreibt. Die 1956 geborene türkische Künstlerin greift diese Erzählung in ihrer umfassenden Installation in einer großen Raumskulptur und 10 Videoprojektionen auf. Die Skulptur ist als labyrinthische Plattform angelegt, auf der wir an aneinandergeschweißten, halben Stühlen eine Rampe hochgehen, Metall-Tore passieren, in Innenhöfe schauen, durch Lücken spähen oder über Stufen wieder hinuntergelangen. Statt einer definierten Sicht sollen wir verschiedene Perspektiven erhalten, uns vorstellen, wo wir sind: in einer Schule, einem Gefängnis oder einem ungeklärten Ort.

Aus einer Fläche oben scheinen Totenmasken herauszukommen, unter der Rampe ist ein Stall-ähnlicher Raum. Rundum sehen wir in den Videos der insgesamt 16 Episoden merkwürdig verformte Figuren in völlig undefinierten, leeren Räumen: Manche scheinen über ihre Kleidung zusammengewachsen zu sein, gleichzeitig fehlen ihnen Körperteile. Über manche wachsen schwarze Schatten, manche sind deformiert, manche isoliert, andere interagieren. „Es scheint als würden manche Menschen ihren Geist suchen, ihre unterdrückten Gefühle und Gesten, ihre unvollendeten Geschichten“, schreibt die Künstlerin zu ihrem Beitrag. Die Figuren vereint, dass sie etwas Verlorenes, Fehlendes suchen. Über allem liegt aus 23 Lautsprechern ein eindringlicher Sound. (SBV)

Sabine B. Vogel: Ihr Beitrag für die Biennale Venedig basiert auf Hannah Arendts Buch „Wir…

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