Band 232
Kunstverweigerungskunst II
Verneinung zwischen Formgebung und Ausstieg
Verweigerung als ultima ratio gegenüber einer alles verschlingenden Kunst- und Kulturindustrie hat seit gut einem Jahrhundert vielgestaltige Formen angenommen. Die Auf- und Erlösung des Kunstwerks in soziales Engagement, ...
Verweigerung als ultima ratio gegenüber einer alles verschlingenden Kunst- und Kulturindustrie hat seit gut einem Jahrhundert vielgestaltige Formen angenommen. Die Auf- und Erlösung des Kunstwerks in soziales Engagement, Konzept oder Theorie signalisiert den Ausstieg aus einer bestimmten Tradition des Bildgebrauchs. Da es vor allem Institutionen sind, die Bildbegriffe und Bildgebräuche kanonisieren und instrumentalisieren, sind das Museum, die Galerie, die Kunstgeschichtsschreibung, die Kunstzeitschrift, die Politik zur Zielscheibe künstlerischer Abweisungen geworden. Der vorangegangene Band Kunstverweigerungskunst I: Verweigerung als schöpferische Provokation ging künstlerischen Entfremdungstendenzen vom Dadaismus bis zur Gegenwart nach und zeigte, dass Kunst sich nicht vom Paradoxon lösen kann, gerade jene Verweigerung über die Hintertür wieder in ihren Kanon einzureihen. In der aktuellen Ausgabe geht es um Grenzbereiche künstlerischen Schaffens, um eine Kunst, die sich an den Rändern ihrer hoch besetzten Zuschreibungen bewegt. Die Annäherungen an die verschiedenen Formen der künstlerischen Ablehnung, Verwerfung und Entsagung führen künstlerische Positionen vor Augen, die in ihrer Differenz ein gemeinsames Interesse vereint: Kunst als ein Kräftefeld zu begreifen, das über seine symbol- und statusproduzierenden Eigenschaften hinauszugehen zu vermag.
Alle Beiträge aus dieser Ausgabe
Titelbeiträge

Kunstverweigerungskunst II
Verneinung zwischen Formgebung und Ausstieg
Herausgegeben von Herbert Kopp-Oberstebrink und Judith Elisabeth Weiss
Editorial

Gegenkunst, Anti-Kunst, Nicht-Kunst, Kunstlosigkeit
Dispositive der Verweigerung

Psychoanalyse und Verweigerung
Marina Abramovićs Performance der Reduktion

Ich möchte lieber nicht
Die Kunst des produktiven Nichtstuns

Figuren des Verschwindens
Die Utopie vom Ausstieg aus der Kunst

On Kawara
Jenseits der Repräsentation

Ori Gersht
Die Auslöschung des Bildes im Bild

Superflex
Aktivismus als Konzept

WochenKlausur
Problemlösung als kreativer Prozess

Lois Weinberger
Anti-Kultivierung: Das Ruderal-Konzept

Florian Slotawa
Nichts hinzufügen

Matthew Rana
und das Speech and What Archive Follow Fluxus

Ryan Gander
Culturefield, oder Kunst als Notausgang in die Gegenwelt

Intervention
Formgebung als Widerstand


Philipp Ruch. Zentrum für Politische Schönheit
„Die Hoffnung auf den Moralischen Fortschritt der Menschheit liegt in der Kunst.“



















































