Band 215
Redefreiheit
Heute gelten Rede- und Meinungsfreiheit zumindest im „Westen“ als erklärte Menschenrechte, die verfassungsmäßig zu garantieren und als Grundrechte gegenüber der Staatsgewalt zu schützen sind. Sie stellen ü ...
Heute gelten Rede- und Meinungsfreiheit zumindest im „Westen“ als erklärte Menschenrechte, die verfassungsmäßig zu garantieren und als Grundrechte gegenüber der Staatsgewalt zu schützen sind. Sie stellen überaus wichtige Maßstäbe für den Zustand eines demokratischen Rechtsstaates dar. Legt man aber diesen Maßstab gegenwärtig an, und reflektiert den prekären Status Quo heutiger Gesellschaften in West und Ost, dann sieht die Sachlage weniger erfreulich aus: Die Redefreiheit scheint weltweit durch Diktatur und religiösen Fundamentalismus, genauso wie durch die Entmachtung der Politik durch die scheinbare Omnipotenz der Global Player zunehmend bedroht – Stichwort: „Postdemokratie“. Der kontinuierliche Abbau der Bürgerrechte nach „nine eleven“ und die gnadenlose Kommerzialisierung der Medienlandschaft führen dazu, dass die Möglichkeit des von Voltaire eingeklagten „Sagen-Dürfen“ immer mehr zu einer hohlen Floskel wird. Selbstverständlich reagieren Künstler weltweit auf die Prozesse der Verhinderung von Rede- und Meinungsfreiheit, und das nicht erst seit der „Verhaftung“ des Künstlers Ai Weiwei durch die chinesische Regierung im April 2011. Künstler beteiligen sich an bürgerrechtlichen Demonstrationen und machen diese Teilnahme zum integralen Bestandteil ihrer ästhetischen Arbeit. Sie organisieren in ihren Projekten Gegenöffentlichkeiten, die Redefreiheit jenseits der Mainstream-Medien ermöglichen sollen. Des Weiteren testen Künstler immer wieder die Optionen und Grenzen der real existierenden Modi von Redefreiheit aus.
Alle Beiträge aus dieser Ausgabe
Titelbeiträge

Redefreiheit. Zwischen euphorischer Illusion und eskapistischer Enttäuschung
Redefreiheit im Spiegel performativer Installationen

Frosch in Untersicht:
Über Zensur in der (modernen) Kunst


Ich bin so neu –
Der Nachrichtenfaktor Neuigkeit und seine beschränkende Wirkung auf die Redefreiheit

Der „intellektuelle Hooligan“?
Ein Gespräch mit Raimar Stange

Zur Möglichkeit der Verdunkelung
Ein Gespräch mit Raimar Stange

Der Künstler als Aktivist?
Ein Gespräch mit Raimar Stange

Editorial
Eine Serie in mehreren Folgen. Teil V









































































