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Kunst­ver­wei­gerungs­kunst I – Verweigerung als Schöpferische Provokation

Herausgegeben von Herbert Kopp-Oberstebrink und Judith Elisabeth Weiss

Ob auf der Karlsaue der letzten Documenta, auf der Whitney-Biennale in New York oder der Kunstbiennale Berlin – allenthalben lassen sich Tendenzen aufspüren, die verschiedene Strategien der Verweigerung in den Mittelpunkt stellen. Die klassischen Gattungen von Tafelbild, Plastik, Videokunst und Fotografie sind längst um Anordnungen und künstlerische Konfigurationen erweitert worden, die den Werkbegriff oder die Aussagekraft des einzelnen Objekts negieren und auf Kunst als soziale Bewegung setzen. Nicht selten als „Installationen“ tituliert, sind sie allerdings eher „Dokumentationen“ des aktivistischen Engagements der Künstler und wirken vergleichsweise spröde auf den Betrachter. Von diesem aktuellen Befund ausgehend werden unterschiedliche Formen einer „Kunstverweigerungskunst“ aufgespürt, die sich gegen das Werk selbst, gegen den Betrachter von Kunst oder gegen den Komplex von Markt, Gesellschaft und Politik richten. Verschiedene, teils konkurrierende Konzepte von Anti-Kunst, Nicht-Kunst und Kunstlosigkeit bedienen sich seit einem Jahrhundert der Formlosigkeit, der Ironie, der Zerstörung und des ästhetischen Widerstandes, um konventionelle Grenzen zu überschreiten. Künstlerische Positionen, die auf die totale Verweigerung einer ästhetischen Erfahrung zielen, werden nicht zuletzt durch den Zweifel am darstellenden Charakter der Kunst genährt.

Zeichnen zur Zeit

Eine Serie in mehreren Folgen. Teil VII, vorgestellt von Reinhard Ermen

Was auf dem Internationalen Parkett gefragt ist, wenn es um Zeichnung geht, kann man in „Vitamin D“ nachschlagen. Eine große Schar von mehr als 50 „Nominators“ zwischen Berlin und Beirut, zwischen Peking und Paris schlägt entsprechende Positionen für diese „New Perspectives in Drawing“ vor, und Phaidon (London/New York) macht daraus ein opulentes Buch. „Vitamin D“ liegt mittlerweile bereits in zwei Bänden vor. Der letzte erschien 2013. Wollte man das hier Dokumentierte ganz grob zusammenfassen, dann ließe sich sagen: Gefragt sind vor allen Dingen meisterliche Imaginationstalente, fotorealistische Genies mit der Tendenz zu surrealen Schieflagen, Erzählbilder machen das Rennen, was gelegentlich Abstraktionen nicht ausschließt. Das deckt sich mit allgemeinen Tendenzen des Kunstbetriebs. Das Publikum von „Vitamin D“ soll wohl vornehmlich durch eine virtuose auch traumverlorene Illustrationsmächtigkeit in Erstaunen versetzt werden. Es gilt, was schon immer galt: Der Zeichnung ist (fast) nichts unmöglich, sie kann fragen oder deuten und manchmal auch nur schmücken, sie beweist sich durch ein geradezu ungeheuerliches Vermögen an Ausdifferenzierung.

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