Band 136
Ästhetik des Reisens
„Das Reisen gibt als emotionales Ereignis unseren Sinnen Nahrung, sowohl im Sinne von Selbsterfahrung als auch in der Spiegelung mit anderen Welten. Reisen ist Einheit von Impuls und Aktion, Bewegung ...
„Das Reisen gibt als emotionales Ereignis unseren Sinnen Nahrung, sowohl im Sinne von Selbsterfahrung als auch in der Spiegelung mit anderen Welten. Reisen ist Einheit von Impuls und Aktion, Bewegung und Erregung, von Eindruck und Ausdruck - und von erhöhtem Blutdruck. Reisen ist mehr als nur mechanische Fortbewegung mittels Auto, Zug, Flugzeug, Schiff etc., sondern in erster Linie Selbstbewegung, Sehnsucht und Veränderung schlechthin“, findet Paolo Bianchi. In der zweibändigen Dokumentation skizziert der Autor eine „Ästhetik des Reisens". Diese erschafft sich eigene Formen, Motive und Ausdrucksarten, um auszudrücken, was sich nicht einfach, unvermittelt aussprechen und darstellen lässt. In der Ästhetik des Reisens zählt nicht die Flucht vor etwas oder die Suche nach dem "Anderen". Im Mittelpunkt steht ein Unterwegssein, das gewissermaßen als Rundreise um die Erde zum Ausgangspunkt zurückführt, um dann wieder von vorne zu beginnen. Jede Reise ist anders, jede hat ihre eigene Geschichte, und doch basieren alle Reisen auf dem gleichen Übergangsritual: Abfahrt - Passage/Unterwegssein - Ankunft. Die vielfältigen Beiträge der Dokumentation zeigen Reisen als Versuch, andere Welten im eigenen Leben zu konstruieren und rücken sie in die Nähe universal verbreiteter kultureller Praktiken wie des Fests, des Spiels und des Rituals. Der zweite Teil „Atlas der Künstlerreisen" (Band 137, 1997) zeigt, dass Künstlerreisen als Alternativen zum Massentourismus zu einer ästhetischen Zuspitzung des Unterwegsseins führen. Der "authentisch" Reisende wird zum Seismographen für kulturellen Wandel im kulturellen Selbstverständnis einer neuen Globalkultur.
Alle Beiträge aus dieser Ausgabe
Titelbeiträge
Ästhetik des Reisens
Herausgegeben von Paolo Bianchi
Editorial
Go, Travel, Drive, Move

Sehn-Sucht-Trips: Versuch über das Reisen und Ruhen
Als Reisende im Prä-Millennium

Reisen als Begegnung mit dem Realen
Erzählung in drei Fragmenten und eine fragmentarische Interpretation

Der Tourist – Idiot des Reisens?
Ein Gespräch mit Jean-Didier Urbain

Reisen. Raum. Körper.
Deplazierungen am Ende bzw. am Anfang des Millenniums oder: Die Reise bin Ich

Welt erfahren
Wie ein Sitzender über die Strasse gehen oder auf dem Weg nach Westen

Walking and Thinking and Walking
Fünf Meilen Gedanken über das Gehen als kulturelle Handlung

Sidewalk
Ein Gespräch mit Tadashi Kawamata

Nuel Rho San
Zen im Gehen

Fluchtlinien
Die Mythen des Horizonts oder das Fazit der Perspektiven

Die Transsibirische
Betrachtungen zu fünf Projekten: Joseph Beuys, Jochen Gerz, Raffael Rheinsberg, Sophie Calle und Günther Uecker

Das Auto ist eine Kamera
»Transfiguration of the Commonplace« oder Autofahren als kulturelle Praxis

Langeweile am Steuer
Ein Gespräch mit Paul Virilio

Wildes Fliegen
Ethnographie einer elektronischen Technokultur oder wie das Ende des Alphaimperialismus im digitalen Zeitalter neue Reisemöglichkeiten eröffnet, die vor 50'000 Jahren von den Aborigines erforscht wurden

































































































