Band 148
Ressource Aufmerksamkeit
Ästhetik in der Informationsgesellschaft
Der Mensch hat bekanntlich nur zwei Augen, mit denen er sehen, und zwei Ohren, mit denen er hören kann. Mit den Augen kann er ein Buch lesen, mit den ...
Der Mensch hat bekanntlich nur zwei Augen, mit denen er sehen, und zwei Ohren, mit denen er hören kann. Mit den Augen kann er ein Buch lesen, mit den Ohren einem Gesprächspartner lauschen. Beides im heutigen Zeitalter der überhöhten Geschwindigkeiten zugegebenermaßen nicht gerade optimale Ausnutzungen des Potenzials des menschlichen Erfassungsapparats. Man könnte nämlich schneller mehr erfassen, sich beispielsweise bewegte Bilder anschauen, Argumentationen in verkürzend aufbereiteter Form zur Kenntnis nehmen. Die immer größer werdende Menge an Information zwingt den Menschen jedoch verstärkt, seine Aufmerksamkeit möglichst ökonomisch zu verteilen. Florian Rötzer bezeichnet Aufmerksamkeit als eine "Ressource", laut Duden zum einen also eine Reserve, zum anderen ein "natürliches Produktionsmittel für die Wirtschaft". Tatsächlich steht sie jedem von uns in beschränktem Umfang zur Verfügung und tatsächlich versucht die Wirtschaft mit allen Mitteln, ein möglichst großes Stück für ihre Zwecke davon zu ergattern. Mit der zunehmenden Verbreitung neuer Technologien stößt die Aufmerksamkeit immer weiter an ihre "natürlichen" Grenzen. Das Dilemma: Auf der einen Seite gibt es zu viele Informationen und man sucht nach Filtern und anderen Selektionsmitteln, die dem Menschen einen Teil seiner Aufmerksamkeitsarbeit abnehmen, auf der anderen Seite wächst der Bedarf, immer weitere Informationen erzeugen und erheben zu können. Als Folge dieser Entwicklung werden die Informationen immer ausgefeilter gestaltet, um in der Konkurrenz der Masse wahrgenommen zu werden. Indem die Ästhetik dergestalt den Alltag erobert, zerfällt auch die traditionelle Arbeitsteilung zwischen Kunst und Wirklichkeit. Von dieser Entwicklung und den Konsequenzen, die die Kunst daraus gezogen hat, handelt die vorliegende Dokumentation. Zum Umgang mit Information im Medienzeitalter siehe auch „Transitorische Turbulenzen“ (Bände 127 und 128, 1994).
Alle Beiträge aus dieser Ausgabe
Titelbeiträge

Inszenierung von Aufmerksamkeitsfallen
Ästhetik in der Informationsgesellschaft

Das Web wird zum Massenmedium
Immer mehr Menschen zieht es zu einigen wenigen Websites

Was die Kunden wirklich kaufen wollen
Die Gehirnwellen verraten es

Jenseits von Geld und Information
Zur Ökonomie der Aufmerksamkeit

Geschäftsmodelle in der Aufmerksamkeitsökonomie
Aufmerksamkeit gegen bares Geld

Besseres Fernsehen, schöne Momente
Ein Gespräch zwischen Klaus vom Bruch und Daniel Pflumm

»Kunst gibt einem die Lizenz, unverantwortlich zu handeln«
Matthew Fuller von der britischen Künstlergruppe I/O/D im Gespräch mit Tilman Baumgärtel

Zur Neurowissenschaft der Aufmerksamkeit
Ein Gespräch mit Wolf Singer, dem Direktor des Max-Planck-Instituts für Hirnforschung in Frankfurt/M.

Darwinistische Poetik
Aufmerksamkeit und Meta-Aufmerksamkeit in der Soziobiologie des Geistes

Consuming CLAUDIA:
Zwischen Netz-»Ästhetik« und virtueller Produktion

Pamela Anderson, Webstar Nummer 1
Auf einer offiziellen Website will sie jetzt selbst von der Aufmerksamkeit im Netz profitieren

In den Korridoren der Macht
New Labour und die »Politik der Aufmerksamkeit«

Kunst als schnelle Nummer
Vom Kampf der Wahrnehmung gegen den Gebührenzähler: Ein deutsches Drama

Der Blick nach links
Eine Bildstrategie, wie unsere Augen gelenkt werden

Informationsrecycling
Kompostieren, recyceln oder alphabetisch sortieren: Eine Reihe von Internet-kunstprojekten entsorgen für ihre Betrachter den Info-müll







































































































