Band 200
Kunst und Wirtschaft
Nicht erst seit der Finanzkrise ist die Ökonomie in den Fokus gesellschaftlicher aber auch künstlerischer Betrachtungen, Analysen und Kritik gerückt. In vielfältigen Formen und quer durch alle ...
Nicht erst seit der Finanzkrise ist die Ökonomie in den Fokus gesellschaftlicher aber auch künstlerischer Betrachtungen, Analysen und Kritik gerückt. In vielfältigen Formen und quer durch alle Medien hindurch wird dem Thema Wirtschaft nun jedoch eine Aufmerksamkeit geschenkt, wie kaum je zuvor. Wer einwendet, dass Wirtschaftsfaktoren eben noch nie solchen Einfluss ausübten wie heute, sollte nicht vergessen, dass dieses im Spannungsfeld zwischen „Realwirtchaft“ und „Finanzwirtschaft“ oszillierende, komplexe Gefüge aus Praxis und Theorie nicht erst seit heute die Entwicklung der westlichen Welt und darüber hinaus prägt. Die Subjektwerdung des Menschen in der Moderne etwa, seine zwischen Unsicherheit, Risiko und neuen Chancen sich ausbalancierende (gesellschaftliche) Stellung wird insbesondere und vielfältig durch ökonomische Parameter, Regeln und Verfahren bestimmt beziehungsweise verhandelt. Es sind die Grundzüge der Moderne, die sich im Dreigestirn Wirtschaft, Kunst und Wissenschaft auf das Engste verbinden. Hinter den Facetten des Fortschritts, der Veränderung, der Bemächtigung von Welt und der Realisierung utopischer Potentiale stehend, treiben sie diese in stets unterschiedlichen Gewichtungen voran. Die Ideologien, die sich daraus entwickelt haben, sind ausgesprochen vielfältig und reichen von ganz auf das Individuum als Marktteilnehmer zugeschnittenen Regelungen (vgl. Margaret Thatchers Diktum „there is no such thing as society“, 1987, das auf Milton Friedmans Monetarismus Bezug nimmt) bis hin zu Auffassungen, die (Privat)Eigentum als Diebstahl an der Allgemeinheit verstehen (vgl. Pierre-Joseph Proudhon, 1840), von der „unsichtbaren Hand“ (Adam Smith, 1776) bis zur „schöpferischen Zerstörung“ (Joseph Schumpeter, 1942). Diese zum Teil ausschließenden, zum Teil überschneidenden Strömungen betreffen die Welt in ihrer Gesamtheit. Wir sind in in eine die Lebenswirklichkeit aller Menschen – ob privilegiert oder nicht – durchdringende globale Epoche eingetreten. Die Krisen der Finanzwirtschaft seit Mitte der 1990er Jahre künden davon ebenso wie der weltweite „Erfolg“ des Modells Kunst, des „Formats“ KünstlerIn.
Alle Beiträge aus dieser Ausgabe
Titelbeiträge

Der Künstler als CEO und der CEO als Künstler
Eine wechselvolle Beziehung von Kapital, Kapitalismus, Marx und der Kunst

Heavy Rotation System
Wie Zukunft Gegenwart schafft und Optionen sich als Kunst darstellen.

Der romantische Motor des Homo oeconomicus
Interne Ökonomie des Organismus und externalisierte Ökonomie des Staats
„We’ll get there fast and then we’ll take it slow. “ (The Beach Boys)

Neoliberale Paradoxien queer gewendet.
Bilder von Sexualität und Ökonomie.

Die Logik des Twitter-Blicks in Zeiten einer retinalen Omnipräsenz.
Ein Gespräch von Dieter Buchhart und Gerald Nestler

Der Kunstmarkt am Beispiel Chinas
Eine Gesprächsrunde von Li Zhenhua mit Zhang Wei, Joe Martin Hill und Urs Meile

Die Krise der Einen und der Anderen
Kunst und Ökonomie jenseits von Utopie
Eine Gesprächsrunde mit Sabine Folie, Johnny Golding, Oliver Ressler und Andreas Siekmann

Ich möchte nicht als mittelständige Unternehmerin einer Kunstfabrik enden
Ein Gespräch von Dieter Buchhart und Gerald Nestler

Die sogenannte Krise enthüllt erneut das räuberische Wesen des Kapitalismus
Ein Gespräch von Dieter Buchhart und Gerald Nestler

Unternehmen machen Kreativität zu einem Fetisch
Ein Gespräch von Dieter Buchhart und Gerald Nestler

Wider die Selbstzensur und undurchsichtige wirtschaftliche und kulturelle Verflechtungen und Machenschaften
Ein Gespräch von Dieter Buchhart und Gerald Nestler

Die Beweglichkeit in der Masse
Zwischenbilanz zur Zeichnung

Nicht eine einzige Nummer zu gross
Das Kunstforum wird 200 – Laudatio eines Betroffenen.



























































































